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Fachinterview mit Herrn Dieter Steinhagen von der TiHo Hannover
#4

18. Macht es für tiermedizinische Laien Sinn, eine "Hausapotheke" für Fischkrankheiten vorrätig zu halten? Wenn ja, welche Mittel sollten auf jeden Fall enthalten sein? (Gemeint sind damit jetzt nicht unbedingt irgendwelche Produktnamen, die der Wissenschaftler wohl kaum nennen wird, sondern die Wirkstoffe oder Wirkstoffgruppen.)

Wie bereits oben ausgeführt sollte beim Auftreten von Erkrankungen möglichst frühzeitig eine gründliche Ursachenforschung (medizinisch gesprochen: Diagnose) betrieben werden, um den Grund der Erkrankung zu kennen und ihn abstellen zu können. Viele Krankheitssymptome, wie Scheuern oder Flossenklemmen können sehr unterschiedliche Ursachen haben. Von daher kann die Anwendung eines Medikaments ohne eine eingehende Diagnose zwar zufällig die richtige Maßnahme darstellen, sie kann aber auch keinen Effekt haben und man verliert wertvolle Zeit für die richtige Behandlung. Entscheidend ist also, die Fische gut zu beobachten, um frühzeitig Veränderungen feststellen zu können.
Neben der Notwendigkeit einer guten Diagnostik kommt bei der Beantwortung dieser Frage noch ein weiterer Punkt hinzu: Eine gut bestückte "Hausapotheke" mit Medikamenten, die verschiedene Wirkstoffe gegen Parasiten und/ oder Antibiotika enthält, muss regelmäßig auf Haltbarkeit überprüft werden. Überlagerte Substanzen verlieren ihre Wirksamkeit und können unter Umständen sogar giftig für Fische werden. Somit sollte sich die Hausapotheke auf wenige Produkte beschränken, die eine lange Haltbarkeit haben, und die ein breites Wirkspektrum gegen Infektionserreger aufweisen. Diese Kriterien erfüllen einzig Medikamente zur Behandlung von einzelligen Außenparasiten auf der Basis von Malachitgrün. Diese können dann in die "Hausapotheke" aufgenommen werden, andere Medikamente sollten bei Bedarf angeschafft werden. Hier noch ein Wort zur Anwendung: Wenden Sie Medikamente nur an wenn es notwendig wird, und dann in der vorgeschriebenen Konzentration und über die vorgeschriebene Dauer. Zu geringe Konzentrationen ("ich möchte die Fische nicht so "scharf" behandeln") oder ein Abbrechen der Behandlung sobald eine Besserung der Symptome eintritt und obwohl ein Wiederholen der Medikamentengabe vorgesehen ist, führt nur dazu, dass Krankheitserreger überleben, die weniger empfindlich auf das Medikament reagieren. Die "empfindlichen" Erreger haben Sie ja mit der Therapie getötet. Die "unempfindlichen" Erreger bleiben allein übrig und beim nächsten Krankheitsausbruch haben Sie es dann nur noch mit diesen unempfindlichen Erregern zu tun und bekommen unter Umständen Schwierigkeiten bei der Behandlung!

19. Können Sie ein Fachbuch empfehlen, was dem Aquarianer bei der Bestimmung einer Zierfischkrankheit behilflich sein kann ?

Leider ist des Erkennen und das Behandeln von Erkrankungen bei Zierfischen nicht einfacher als bei anderen Heimtieren, auch wenn der Preis vieler Fische z. T deutlich günstiger ist, als die Anschaffung eines Hamsters oder eines Kaninchens. Zudem werden Fischkrankheiten leider von vielen Tierärzten sowohl in der Ausbildung als auch in der Praxis ignoriert, so dass Aquarianer mit kranken Fischen oftmals auf sich gestellt sind. Für das Erkennen und Behandeln von Fischkrankheiten ist immer einiges biologisches und medizinisches Interesse und Wissen nötig, kein noch so gutes Buch kann also einfache Lösungen für das Erkennen und Behandeln von Fischkrankheiten anbieten. Es sind verschiedene Bücher über Fischkrankheiten erhältlich, die oft auch nur in kurzer Form Erkrankungen und deren Ursachen vorstellen. Diese sind vielleicht für den Anfänger hilfreich, aber in vielen Fällen kommt man damit nicht weiter. Das sind dann Bücher, die zunächst als kompliziert erscheinen, besser geeignet. In den meisten Büchern wird versucht, auf fachlich gutem Niveau dem Aquarianer möglichst weit bei der komplizierten Materie zu helfen. Einige Beispiele dieser Bücher sind:

- Barron Benno ter Höfte, Peter Arend: Frickhingers Gesund wie der Fisch im Wasser? 14. Auflage, Tetra Verlag, 2005
In diesem Buch werden grundlegende Lebensverhältnisse im Aquarium und Gartenteich beschrieben, wichtige Krankheitssymptome im Bild gezeigt, Ursache(n) und Behandlungsmöglichkeiten beschrieben.

- Dieter Untergasser: Krankheiten der Aquarienfische. 2.Auflage, Kosmos Verlag 2006.
Das Buch enthält ausführliche Diagnosetafeln, eine ausführliche Beschreibung zur eigenen Untersuchung von Fischen sowie eine ausführliche Darstellung unterschiedlicher Erkrankungen mit sehr guten Bildern. Zudem enthält es eine sehr detaillierte Medikamentenliste. Es richtet sich an ambitionierte Aquarianer, die sich zutrauen, kranke Fische selbst zu untersuchen und selbst eine Diagnose zu stellen.

- Sandra Lechleiter, Dirk Willem Kleingeld: Krankheiten der Koi und anderer Gartenteichfische. 3. Auflage, Verlag Eugen Ulmer, 2005.
Wie aus dem Titel ersichtlich konzentriert sich die Darstellung des Buches auf Fische im Gartenteich. Es werden grundlegende Lebensverhältnisse von Fischen im Gartenteich sowie die wichtigsten Erkrankungen beschrieben. Das Buch enthält ebenfalls eine gute Medikamentenliste. Auch in diesem Buch wird das grundsätzlich Vorgehen bei der Untersuchung von kranken Fischen beschrieben, um die Ursache von Krankheitssymptomen erkennen zu können.

20. Finden in Ihrem Hause Workshops zum Thema "Zierfischkrankheiten richtig erkennen" statt?
Wir führen jährlich Fortbildungsveranstaltungen zum Erkennen und Behandeln von Fischkrankheiten durch. Diese Veranstaltungen haben wir seit einigen Jahren auf die Bedürfnisse von Tierärzten ausgerichtet, um im Beruf arbeitenden Kollegen die Möglichkeit zu geben, Kenntnisse über Fischkrankheiten zu erwerben und damit die Gesundheitsbetreuung von Zierfischen zu verbessern.


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Wichtig : Teil 4 Fachinterview mit Herrn Dieter Steinhagen von der TiHo Hannover - von Balu - 29.12.2009, 16:06

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