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Fachinterview mit Herrn Dieter Steinhagen von der TiHo Hannover
#3
12. Wie lassen sich am besten Krankheiten vermeiden?

Beim Auftreten von Krankheiten in einem Aquarium oder Gartenteich handelt es sich immer um einen "Unfall". So etwas lässt sich nicht vollständig vermeiden, aber mit etwas Vorsicht lässt sich die Häufigkeit oder die Schwere des Verlaufs reduzieren:
Sorgfalt ist beim Einkauf neuer Fische, bei der Eingewöhnung und bei der täglichen Pflege geboten. Beim Einkauf sollte unbedingt auf Qualität geachtet werden: nur gut konditionierte Fische aus einer gut bekannten, gesunden Quelle sollten gekauft werden. Wenn Sie Fische dauerhaft pflegen möchten, vermeiden Sie auch "Mitleidskäufe": "Der Fisch sah so schlecht aus, den wollte ich retten." Derartige Fische müssen zunächst in einem gesonderten Becken "aufgepäppelt" werden, bevor sie in das Gesellschaftsbecken dürfen. Eine sorgfältig überwachte und gut geplante Eingewöhnungsphase sollte eingehalten werden.
Beim Besatz des Aquariums sollte mit Augenmaß verfahren werden. "Je unvernünftiger der Fischbesatz, desto aufwendiger muss die Technik sein, und desto instabiler ist das System" - diesem Satz eines Kollegen ist eigentlich nichts hinzuzufügen.
Die Pflege sollte so erfolgen, dass den Fischen optimale Lebensbedingungen geboten werden: ausreichendes, gut gegliedertes Platzangebot, gute Wasserbedingungen, regelmäßige Pflegemaßnahmen, gute Fütterung. Dann sollten sich Ausbrüche von Krankheiten auf seltene Unfälle beschränken und die Fische kurzzeitige Belastungen auch mal "verzeihen".

13. Welches Medikament wendet man bei der Diskusseuche an?

Das Krankheitsbild bei Diskusfischen, das mit Dunkelfärbung der Haut, Ablösen der Schleimhaut und Unwohlsein der Fische einhergeht, ist leider wissenschaftlich nicht untersucht. Aufgrund der Berichte aus der Praxis ist ein infektiöses Geschehen naheliegend, aber bisher konnte der Infektionserreger nicht dingfest gemacht werden. Dieses macht auch Therapievorschläge schwierig. Aus der Praxis werden Erfolge nach Antibiotika- Gaben berichtet, was eine bakterielle Ursache der Erkrankung vermuten lässt. Da immer die Schleimhaut der Fische betroffen ist, könnten auch Bakterien aus dem Wasser über die geschädigte Schleimhaut in den Fisch eindringen und für einen Großteil der Verluste verantwortlich sein. Und mit den Antibiotika- Gaben werden dann diese "Sekundärerreger" erfolgreich bekämpft. Einer wissenschaftlichen Erforschung hat sich diese Erkrankung bisher entzogen, so dass wir die Ursache dieses Krankheitsbildes bisher nicht erklären können und auch keine gut wirksame Behandlungsempfehlung geben können.

14. Aufbrüche und Geschwüre bei süd-/mittelamjustizianischen Cichliden, gibt es Erkenntnisse wodurch diese ausgelöst sein können ?

Fische sind im Wasser einer sehr großen Zahl von Bakterien ausgesetzt, die in Biofilmen auf Steinen, Pflanzen etc. leben. Die Schleimschicht der Haut und die Haut selbst schützt Fische vor dem Eindringen von Bakterien aus dem Wasser in ihren Körper. So lässt sich beobachten, dass die Schleimschicht von Fischen kompakter und zäher wird, wenn sich die Bakterienzahl im Wasser erhöht. Damit wird die Schleimschicht für Bakterien eine schwieriger zu überwindende Barriere. Cichiliden aus Südamerika leben in relativ sauberem, keimarmem Wasser. In unseren Aquarien können Situationen entstehen, in denen deutlich höhere Bakterienzahlen im Wasser vorliegen, als die Fischarten in ihren Heimatgewässern gewohnt sind. Unter diesen Umständen können Bakterien die Schleimschicht überwinden und Fische infizieren. Bei unseren Patienten wurden aus solchen Geschwüren oder Aufbrüchen typische bakterielle Wasserbewohner isoliert, die für Erkrankungen bei vielen Fischarten verantwortlich sind, also Aeromonas-Arten, Arten der Gattung Pseudomonas, oder auch Cytophagaceen.

15. Wie kann man das Immunsystem bei älteren Tieren stärken?

Um Fische gesund zu erhalten, werden zahlreiche Inhaltsstoffe für das Futter geprüft. Einige Substanzen, von denen bekannt ist, dass sie positive Auswirkungen auf die Krankheitsabwehr bei Fischen haben, werden von einigen Herstellern dem Fischfutter für Zierfische bereits zugemischt. Zu nennen sind hier z. Bsp. Beta-Glucane aus der Zellwand von Hefezellen. Sie unterstützen das Immunsystem von Fischen bei der Infektionsabwehr und sind bereits im Futter einiger Anbieter enthalten. Weiterhin spielt die Versorgung der Fische mit essentiellen Aminosäuren, Fettsäuren und Vitaminen eine große Rolle. Deshalb sollte der Fütterung von Fischen große Aufmerksamkeit gewidmet werden: Verwendung finden sollte ein hochwertiges Futter mit einer für Fische gut verdaulichen Zusammensetzung. Am besten können Fische Aminosäuren, Fettsäuren und Vitamine verdauen, die von natürlichen Futtertieren (Wirbellosen, Krebstieren etc) oder von Fischen gewonnen wurden. Bestandteile dieser Organismen sollten einen wichtigen Anteil an der Zusammensetzung des Futters haben. Daneben können insbesondere ältere Fische gezielt mit Vitaminmischungen gefüttert werden, oder ihnen kann zusätzlich gelegentlich Lebendfutter angeboten werden.

16. Kennen Sie Sofortmaßnahmen bei Laichverhärtung?

Laichverhärtung tritt bei solchen Fischarten auf, bei denen die Ovulation, also die Freisetzung der unbefruchteten Eizellen aus dem Ovar, durch Hormone ausgelöst wird. Diese Hormone werden vom weiblichen Tier häufig erst während des Paarungsspiels mit dem männlichen Tier ausgeschüttet. Ein Beispiele hierfür sind Karpfen/ Koi oder Goldfische. Außerdem müssen bei Karpfen/ Koi für die Abgabe von Eier durch das Weibchen flache mit Pflanzen bestandene Bereiche im Teich vorhanden sein, die Ähnlichkeit mit überschwemmten Wiesen, den natürlichen Laichgebieten der Karpfen haben. Ersatzweise legen weibliche Karpfen/ Koi ihre Eier auch an künstlichen Laichsubstraten (Laichbürsten) ab, die ein Abstreifen der Eier ermöglichen. Fehlt ein geeigneter Paarungspartner, oder fehlt eine geeignete Stelle zur Ablage der Eier, unterbleibt die Abgabe der unbefruchteten Eier durch das weibliche Tier und die Eier müssen resorbiert werden. Dieser Prozess kann zu einer Laichverhärtung führen. Liegt eine Verhärtung des Laiches vor, ist der Prozess bereits sehr weit fortgeschritten und lässt sich unter Umständen nicht mehr rückgängig machen. Handeln kann man zu einem früheren Stadium: Wenn die Eier ein Reifestadium erlangt haben, in dem sie befruchtungsfähig sind, kann die Ovulation durch die Gabe von Hormonen ausgelöst werden. Die Eier können dann mit der Hand aus dem Fisch ausgestreift werden. Für eine derartige Behandlung ist die Bebachtung des Reifegrades der Eier notwendig, um den richtigen Zeitpunkt für die Hormongabe festzulegen. Wird der Zeitpunkt verpasst und die Eier sind bereits "überreif", kann eine Hormongabe unter Umständen keine Ovulation mehr auslösen.

17. Was ist dran, dass Lebendgebärende resistente Bakterienstämme haben sollen ?

In einigen Büchern zur Aquaristik werden Lebendgebärende als ideale "Anfängerfische" dargestellt. Fische aus vielen Arten sind erstaunlich robust, allerdings gibt es auch immer wieder Schwierigkeiten mit Lebendgebärenden, deren Ursache oft nicht klar eingegrenzt werden kann. Zum einen ist die Herkunft vieler Fische nicht klar: Viele Lebendgebärende werden importiert. Bei einigen Herkünften lässt sich der Züchter nicht zurück verfolgen, weil sehr viele kleine Zuchtbetriebe ihre Fische an Zwischenhändler oder Exporteure verkaufen, die dann Bestände von unterschiedlichen Züchtern mischen und dem Großhandelsbetrieb oder importierende Aquariengeschäft die gewünschten Fische verkaufen. Die Einkaufspolitik der Exporteure kann dazu führen, dass die Bakterienflora aus unterschiedlichen Herkünften gemischt wird und so bakterielle Erkrankungen auftreten, die nur sehr schwer mit Antibiotika zu therapieren sind. Des weiteren ist vielfach die Anwendung von Antibiotika in den Herkunftsländern nicht so streng reguliert wie in Europa, so dass Antibiotika teilweise ungezielt oder auch unwissentlich zu Einsatz kommen. Dies erklärt, dass auch bei Lebendgebärenden Bakterienstämme gefunden werden, die gegenüber der Wirkung vieler Antibiotika resistent sind. Des weiteren sind Lebendgebärende sehr empfindlich gegenüber nicht angepassten Transportbedingungen. Insbesondere wenn Transporte länger dauern oder sorglos durchgeführt werden, kann es zu Belastungen kommen, die die Fische nicht mehr verkraften und dann nach und nach versterben: Faktoren können sein: zu kühl, zu warm, Transportbeutel zu lange in der Sonne gelegen oder im Winter in einer ungeheizten Halle gestanden, Sauerstoffmangel, hohe Ammoniakspiegel oder zu hohe CO2 Gehalte im Transportwasser, und vieles mehr. Viele Zierfisch-Importbetriebe wissen, dass die Vorbereitung der Fische auf den Transport und die Durchführung des Transports einen entscheidenden Einfluss auf das Überleben der Fische in unseren Aquarien haben und führen deshalb den Transport mit großer Sorgfalt durch. Hierzu gehört neben der Vorbereitung auch eine Eingewöhnungsphase nach dem Transport, während der die Fische einer genauen Beobachtung unterworfen sind. Während dieser Phase können sich die Fische vom Transport während des Imports erholen und können an die Wasser- und Futterverhältnisse in unseren Aquarien adaptiert werden bevor sie in den Verkauf kommen.


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Wichtig : Teil 3 Fachinterview mit Herrn Dieter Steinhagen von der TiHo Hannover - von Balu - 29.12.2009, 16:04

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