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Naturaquarium VS Gesellschaftsaquarium
#21
Hallo allerseits,
"schön" finde ich die Amano'schen Naturaquarien schon....Aquaristische Natur bilden sie allerdings nicht ab, sondern eher die "Vision" einer Landschaft. Die immense Arbeit und Technik, die dahintersteht, wurde schon angeswprochen. Wenn man allerdings Tiere pflegen will, sind sie nur bedingt geeignet. Ein Schwarm vielleicht oder Garnelen - aber wenn so ein Trupp Panzerwelse oder ein Antennenwels durch diese Natur pfügt, ist es mit der Schönheit schnell vorbei.
Wenn ich die Zeit und Geduld hätte, mit der Nagelschere vorher auf Steinchen gebundene Moospölsterchen zu maniküren, würde ich es ja gerne mal probieren...
Aber letztlich ist es wohl doch mehr zur Dekoration und Selbstfindung wie zur Tierpflege geeignet.
Auf der anderen Seite steht das Artenbecken mit einem artentypischen Habitat, was häufig ausgesprochen langweilig und trüb aussieht - wie schon beschrieben - und dann sicher nichts fürs Wohnzimmer ist. Die Filme auf aquanet.tv geben einen guten Eindruck davon.
Mir wiederum gefallen schön und dicht bepflanzte Aquarien sehr gut, in denen passende Tiere gepflegt werden, ob als Arten- oder Gesellschaftsbecken, oder nach den Regeln eines holländischen Pflanzenaquariums gestaltet. Zum Einen laufen diese meist recht gut, da die Pflanzen für eine ausgeglichene "Chemie" sorgen und die Tiere fühlen sich meist sehr wohl. Aber auch ein fast ausschließlich mit Steinen gestaltetes Afrika-Becken hat seine Reize. Der Selbstfindung kann auch die Gestaltung dieser "Gesellschaftsbecken" dienen.
Letztlich ist es doch Geschmacksache - mit einer Einschränkung: Wenn Tiere gepflegt werden, muß es meiner Meinung nach artgerecht sein.

Gruß
Rainer
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#22
Hallo,

Rainer schrieb:Wenn Tiere gepflegt werden, muß es meiner Meinung nach artgerecht sein.

wobei das ein großer und nicht wirklich greifbarer Begriff ist. Was man eher erkennen kann ist, wenn Bedingungen voll gegen die Fische laufen. Zum Beispiel fehlende Verstecke bei Fischen die Verstecke nutzen. Fehlender Schwimmraum für Fische die diesen auch nutzen wollen. Ruhebedürftige Fische zusammen mit Hektikern.
Aber nur weil ein Aquarium nicht bepflanzt ist, ist es deswegen nicht nichtartgerecht (pflanzenfreie Gewässer findet man in der Natur häufig).

Alleine wenn man sich vor Augen führt, dass in Aquarien kaum Strömung herrscht, in der Natur jedoch "Strömung" 1 m/Sek und oft viel mehr bedeutet, merkt man wie weit man von Naturbedingungen entfernt ist.

Ebenso die Lichtverhältnisse. Naturgewässer sind oft trübe, dass Licht ist diffus. Im Aquarium ist man eher bestrebt das Gegenteil zu erreichen. Oder es ist dunkelteefarben. Auch das ist im Aquarium meistens unbeliebt. Viele Lebendgebärende kommen aus Gewässern in denen es massive Fadenalgenpolster gibt. Das ist der Lebensraum der Mollys, dass ist deren Zuhause. Der Aquarianer will das aber nicht.

Insofern kann sich ganz schnell selbst in die Nesseln setzen, wenn man sich Artgerechtigkeit vorschreibt. Wo fängt die an, wo hört sie auf.
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#23
Finde ich einen guten Beitrag... Ich denke mir: Welche Tiere können denn wirklich Artgerecht, unter wirklich natürlichen Bedingungen gehalten werden?

Wenn man von Naturbedingungen ausgeht, kann man das doch den wenigsten Tieren zuhause wirklich bieten...
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#24
Das ist auch nicht nötig. Naturbedingungen sind oft hart und lebensfeindlich. Krankheiten, Fressfeinde, ausgedehnte Hungerphasen und so weiter. Das volle Programm. Wenn man natürliche Bedingungen anstreben würde, gehörte das dazu. Also reduziert man sich besser auf das was sinnvoll und machbar ist und vermeidet grobe Fehler.

Ich sage für mich, dass wenn Fische sich vermehren (wollen) ich grundsätzlich ihre Interessen getroffen habe. Bei den einen ist das leicht zu erreichen (Guppys z.B.), bei anderen muss man sehr viel mehr tun. Es kann sein, dass das in einer Schüssel mit 3ltr Wasser und etwas Torf auf dem Fußboden geht (kalte Aphyosemion). Es kann sein, dass man dafür ein Aquarium speziell herrichten und betreiben muss mit Superfütterung (Sphaerichthys).
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#25
Hallo Parat
Du hast natürlich recht, artgerecht ist ein dehnbarer Begriff. Dabei sind die Pflanzen sicherlich nicht der bestimmende Faktor, zumal viele natürliche Habitate kaum Pflanzen haben.
Aber Du hast ja auch schon viele Faktoren für artgerechte Tierhaltung beschrieben.
Ich möchte das noch ergänzen um die richtige Wasserchemie ( Weichwasserfische in extrem hartem Leitungswasser und umgekehrt), Wassertemperatur, fehlendes Wurzelwerk bei holzfressenden Welsen und ich schätze, die Liste kann noch endlos fortgesetzt werden. Auch die Strömumg gehört natürlich dazu, wobei z. B. im Amazonas oder in den Reisfeldern Asiens die Strömung in vielen Bereichen, insbesondere den Überschwemmungsgebieten gegen Null, geht. Da erzeugt dann mancher Filter für den ruhiges Wasser gewöhnten Fisch fast schon Wildwassergefühle.
Besatzdichte spielt eine Rolle ebenso wie die Anzahl Tiere einer Art.

Konnte ich heute mal wieder recht aufschlußreich bei einem Aquaristikhändler erleben:
Kunde: Ich hätt' ganz gern einen von denen da (eine Panzerwelsart). Paßt der zu meinem, ich hab' da nämlich so einen Weißen.
Händler: Was für einen Weißen. Das hier ist ein Panzerwels. Die können Sie auch mit anderen Panzerwelsen halten.
Kunde: Ah ja, ja dann ist das wohl so einer, so'n Albino; ja, dann nehm ich davon auch einen.
Händler: Davon sollten Sie aber mindestens zwei nehmen, weil alleine fühlt er sich nicht wohl.
Kunde: Naja, dann halt noch einen.
Das gleiche Gespräch wiederholte sich dann bei einer Salmerart, die normalerweise im Schwarm gepflöegt werden soll, man konnte sich zumindest auf drei Tiere einigen. Und ein Platyweibchen kam dann auch noch dazu, weil es so schön bunt ist.

Gruß
Rainer
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