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Blüten der Antimesswertehysterie - Druckversion

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- Parat - 31.07.2011

PeterH schrieb:Auch ein noch so kleines Aquarium ist letztlich ein sehr komplexes System mit sehr viel mehr Variablen als der Hand voll Messwerte, die uns der Handel zur Verfügung stellt. Und es zeigt sich immer wieder, dass die Beschreibung an Hand einzelner Parameter ein zu geringer Ausschnitt ist.

und selbst wenn man mehr erfassen könnte, man könnte die Daten nicht interpretieren. Das können nicht einmal die Wissenschaftler.

Es ist eben nicht so, dass man die Daten in eine Gleichung steckt á la

Qualität = 3 * NO3 + 1/2 * NO2 - pH^2 + log (Fe) - 1/KH .... oder sowas.

So eine Gleichung gibt es nicht, jedoch genau in die Richtung zielen die Ansätze der Wasserwerter. Die sagen ja, dass man durch die Werte die Qualität eines Aquariums bzw. Probleme erkennen könne.

Wenn man Aquarien danach beurteilen können wollte, dann müsste man in der Lage sein ausschließlich anhand der Wasserwerte den Zustand eines Aquariums oder der Fische beschreiben zu können, ohne es/sie je gesehen zu haben. Das geht nicht. Was man wohl kann jedoch umgekehrt ein Aquarium/Fische beurteilen ohne die Wasserwerte zu kennen.

Wasserwerte und Wasserchemie sind lediglich ein Hobby im Hobby, mehr nicht.
Die groben Daten (hart, mittel, weich..) sollte man kennen, aber dann wird es schon fantastischer. Bei der Pflanzenaquaristik mag es sich etwas anders verhalten, aber auch die Pflanzenleute fantasieren m.E. eine ganze Menge in die Messwerte hinein. Ist aber deren Baustelle.


- eumel6 - 31.07.2011

Zitat:Wasserwerte und Wasserchemie sind lediglich ein Hobby im Hobby, mehr nicht.
Die Aquaristik ist ein Hobby. Wasserwerte und Wasserchemie sind eine der Säulen der Aquaristik.


- Zuheissgebadet - 31.07.2011

Ja, aber eine sehr zerbrechliche und unstete Säule.


- Wabenschilderwels - 01.08.2011

Hallo Parat und Restforum
Ich möchte mich, bei euch mal in aller Form bedanken für die von euch mitgeteilten Sichtweisen.
Ich für meinen Teil, habe jetzt folgende Erkenntnis daraus gezogen (auch wenn ich davon schon so einiges wusste und praktiziert habe):

Die Grundwasserwerte des Wasserversorgers sind als erstes in Erfahrung zu bringen.
Wasserwerte muß man nur einmal messen (das auch nur am Anfang) um in Erfahrung zu bringen, in welchem Härtgradbereich man sich bewegt.Testen sollte man maximal zur Kontrolle, ist aber nicht wirklich erforderlich, da sich die WW in einem eingelaufenen Aquarium sowieso nicht mehr großartig ändern. Schwankungen bei den Wasserwerten sind als unerheblich anzusehen, sie kommen auch in der Natur vor.
Ein regelmäßiger Wasserwechselturnus sollte angestrebt werden, um Krankheiten (Keimbelastung) vorzubeugen und um angesammelte Schafstoffe aus dem Becken zu entfernen. Um den richtigen Zeitpunkt des WW festzustellen, sollte man sich eines Leitwertmessgrätes bedienen.
Zur Wasseranalyse können Wasserwerte nicht herrangezogen werden. Weil diese sich zum Beispiel, in zwei verschiedenen Becken aus völlig verschiedenen Stoffen zusammen setzen können, welche dann keinen allgemeinen Rückschluss zulassen würden. Der Leitwert jedoch, läßt dieses schon zu.
Es sind zum betreiben eines Aquarium´s nur PH, GH, KH und die Temperatur wichtig, der Rest wird über die tägliche Beobachtung des Aquarium gesteuert.

Es funktionieren zwar auch sogennante Altwasserbecken, aber wenn dort Probleme auftauchen, muss man mit erheblichen Schwierigkeiten rechnen, die sich dann auch nicht so leicht wieder abstellen lassen bzw. in den Griff zu bekommen sind.

Alle Wasserwerte die als Richtlinie für den Besatz dienen, z.b. aus dem natürliches Habitat, kann man getrost außer acht lassen. Weichwasserfische können ohne Probleme in "Betonwasser" gehalten werden und sogar vermehrt/nachgezogen werden.

Es gibt nur sehr wenige Fischarten die unbedingt Weichwasser benötigen, wo es dann sogar ein muß ist, das Wasser Naturnah einzustellen. Diese sollten dann aber denn Spezialisten unter den Aquarianern vorbehalten sein (es sei denn man möchte sich selbst daran versuchen).

Weichwasserbewohner die aus "Betonwasser" kommen sollten nicht in Weichwasser gehalten werden. Weil es dann ihren Organismus nur unnötig belasten würde (Stichwort Osmotischer Druck), da weichsaures Wasser dem Fisch viel mehr abverlangen würde als härteres.

Sollten Fischkrankheiten auftauchen, ist es angeraten aufzusalzen und abzuwarten was passiert.
Das Becken sollte mit einem moderaten Besatz ausgestattet werden, hier gilt weniger ist manchmal mehr.

Gesellschaftsbecken kann man machen, sollte aber davon absehen und reine Artbecken betreiben. Es sollte nach Möglichkeit nur Lebendfutter gefüttert werden, weil es erstens die Wasserbelastung minimiert und zweitens einer natürlichen Ernährung entspricht.

Ein Aquarium kann nicht über seine Wasserwerte definiert werden, jedoch kann ein Aquarium über seine Bewohner definiert werden, ohne die aktuellen Wasserwerte zu kennen.
Ein Fisch und sein Verhalten/Aussehen sagt mehr über den Pflegezustand eines Aquarium´s aus, als je aus den Wasserwerten erkennbar wäre.

Die Pflanzenaquarien sind vom dem vorgenannten weitestgehend ausgeschlossen, da dort auf andere Prioritäten Wert gelegt wird.

Ich hoffe ich habe jetzt alles richtig zusammen gefasst und eventuelle Anfänger und Fortgeschrittene werden zum Nach bzw. Überdenken bezüglich des Händling´s der WW angeregt. Ob dieses nun alles so richtig ist oder nicht, das wird sich dann zeigen wenn man es verinnerlicht und praktiziert. Angefangen vom Kontrollblick ins Becken, über die Futtergabe, bis hin zur Wartung der Technischen Einrichtung.

Ich wünsche allen ein problemloses funktionierendes Aquarium und gesunde Fische.


- Parat - 01.08.2011

Hallo,

Wabenschilderwels schrieb:Die Grundwasserwerte des Wasserversorgers sind als erstes in Erfahrung zu bringen.

macht Sinn.

Zitat:Wasserwerte muß man nur einmal messen (das auch nur am Anfang) um in Erfahrung zu bringen, in welchem Härtgradbereich man sich bewegt.Testen sollte man maximal zur Kontrolle, ist aber nicht wirklich erforderlich, da sich die WW in einem eingelaufenen Aquarium sowieso nicht mehr großartig ändern.
ja,

Zitat: Schwankungen bei den Wasserwerten sind als unerheblich anzusehen, sie kommen auch in der Natur vor.
Bei einigen Fischen extrem, bei anderen gar nicht. Kommt auf deren Herkunft und Verbreitung an. Bachfische kennen starke Änderungen. Fische aus größeren Seen nicht bis gar nicht. Großes Verbreitungsgebiet = große Variabilität, kleines Verbreitungsgebiet kann auf starke Adaptation hinweisen.

Im Handel befinden sich aber vorwiegend Arten, die mit unseren aquaristischen Gegebenheiten klar kommen. Man muss sich schon Mühe geben um die mit falschem Wasser umzulegen.


Zitat:Ein regelmäßiger Wasserwechselturnus sollte angestrebt werden, um Krankheiten (Keimbelastung) vorzubeugen und um angesammelte Schafstoffe aus dem Becken zu entfernen.
Wasserwechsel ist über weite Strecken wie das Lüften eines Zimmers. Es ist nicht zwingend erforderlich, aber viele Leute mögen es von Zeit zu Zeit.

Zitat: Um den richtigen Zeitpunkt des WW festzustellen, sollte man sich eines Leitwertmessgrätes bedienen.

Nein. Einfacher Kalender reicht.
Bis die LF Signal gibt dauert es

Zitat:Zur Wasseranalyse können Wasserwerte nicht herrangezogen werden. Weil diese sich zum Beispiel, in zwei verschiedenen Becken aus völlig verschiedenen Stoffen zusammen setzen können, welche dann keinen allgemeinen Rückschluss zulassen würden. Der Leitwert jedoch, läßt dieses schon zu.
Absolut falsch. Die Leitfähigkeit lässt das genau nicht zu, weil man per Salz und/oder Nitrat exakt die gleichen Werte erzeugen kann. Die Leitfähigkeit macht aber in Verbindung mit pH und Kenntnis des Aquariums mehr Sinn als die Härtemessungen. Letztere zeigen nämlich keine Aufsalzung.

Zitat:Es sind zum betreiben eines Aquarium´s nur PH, GH, KH und die Temperatur wichtig, der Rest wird über die tägliche Beobachtung des Aquarium gesteuert.
Selbst pH, GH und KH bedürfen keiner regelmäßigen Kontrolle sondern nur des Auges

Zitat:Es funktionieren zwar auch sogennante Altwasserbecken, aber wenn dort Probleme auftauchen, muss man mit erheblichen Schwierigkeiten rechnen, die sich dann auch nicht so leicht wieder abstellen lassen bzw. in den Griff zu bekommen sind.
Das ist zwar drastisch ausgedrückt, aber in die Richtung kann man denken. Aber bitte nicht so heftig schwarz/weiß

Zitat:Alle Wasserwerte die als Richtlinie für den Besatz dienen, z.b. aus dem natürliches Habitat, kann man getrost außer acht lassen. Weichwasserfische können ohne Probleme in "Betonwasser" gehalten werden und sogar vermehrt/nachgezogen werden.
Auch hier wieder das typisch forenmäßige schwarz/weiß-Gedenke. Entweder ganz oder gar nicht. Was nicht gut ist, ist deshalb schlecht.

Man muss Haltung und Zucht unterscheiden und ja, für die Haltung der meisten Fische reicht ein mittleres Leitungswasser aus.

Zitat:Es gibt nur sehr wenige Fischarten die unbedingt Weichwasser benötigen, wo es dann sogar ein muß ist, das Wasser Naturnah einzustellen. Diese sollten dann aber denn Spezialisten unter den Aquarianern vorbehalten sein (es sei denn man möchte sich selbst daran versuchen).
ja

Zitat:Weichwasserbewohner die aus "Betonwasser" kommen sollten nicht in Weichwasser gehalten werden. Weil es dann ihren Organismus nur unnötig belasten würde (Stichwort Osmotischer Druck), da weichsaures Wasser dem Fisch viel mehr abverlangen würde als härteres.
ja

Zitat:Sollten Fischkrankheiten auftauchen, ist es angeraten aufzusalzen und abzuwarten was passiert.
nein, es ist eine unterstützende Maßnahme... Insbesondere Lebendgebärende nehmen sie gerne an.

Zitat:Das Becken sollte mit einem moderaten Besatz ausgestattet werden, hier gilt weniger ist manchmal mehr.
Das ist auch missverständlich. Nicht die Anzahl der Fische ist der Punkt, sondern die Anzahl der Arten.

Zitat:Gesellschaftsbecken kann man machen, sollte aber davon absehen und reine Artbecken betreiben.
Auch da hast Du schlecht gelesen. Es geht darum, dass wenn man schon seinen Fischen einen Gefallen tun will, man mit Artbecken und Lebendfutter mehr erreicht als mit der Fummelei am Wasser.

Zitat: Es sollte nach Möglichkeit nur Lebendfutter gefüttert werden, weil es erstens die Wasserbelastung minimiert und zweitens einer natürlichen Ernährung entspricht.
Es bringt die meisten Fische weiter. Aber auch hier ... es ging nicht um "sollte", sondern darum, dass man den Fische damit mehr gibt als mit der Fummelei am Wasser.

Zitat:Ein Aquarium kann nicht über seine Wasserwerte definiert werden, jedoch kann ein Aquarium über seine Bewohner definiert werden, ohne die aktuellen Wasserwerte zu kennen.
Ein Fisch und sein Verhalten/Aussehen sagt mehr über den Pflegezustand eines Aquarium´s aus, als je aus den Wasserwerten erkennbar wäre.
ja

Zitat:Ich hoffe ich habe jetzt alles richtig zusammen gefasst und eventuelle Anfänger und Fortgeschrittene werden zum Nach bzw. Überdenken bezüglich des Händling´s der WW angeregt.
Sagen wir mal so... Du hast so passend bis unpassend gelesen wie es in Foren üblich ist. Ich bin nicht überrascht. Es muss ja heute alles in eine Schwarz/Weiß-Form gepresst werden, es in gut/böse, geht/geht nicht und dann muss man so lesen und interpretieren.

Es ist heute nicht mehr üblich gedanklich elastisch zu sein und den tieferen Sinn und die Hintergründe zu verstehen. Alles muss in einfache FAQ-artige Sätze gepresst werden um aufgenommen und weitergeplappert werden zu können.

Damit hast Du die Anforderungen an die Zeit zwar erfüllt, aber richtig verstanden hast Du es m.E. nicht.


- Wabenschilderwels - 01.08.2011

Hallo Parat
Verstanden habe ich so einiges, wenn auch vielleicht nicht gleich alles richtig. Gebe ich auch zu. Deshalb habe ich ja, die für mich gewonnenen Erkenntnisse postuliert. Ob es jetzt bei einigen Absätzen gleich richtig formuliert war, und von mir richtig interpretiert wurde, sei jetzt mal außen vor. Zumindest ist doch zu erkennen, das ich gewillt bin, mich mit der Sache als solches auseinander zu setzten. Denke mal das ist doch schon viel Wert, auch wenn ich es in eine Schwarz/Weiß-Form gepresst habe. Darüber nachzudenken und versuchen den Sinn und die Hintergründe zu verstehen und zu begreifen, ist doch der Sinn dieses Themas. Also kurzum, danke das du dir die Mühe gemacht hast, mein geschriebenes nochmals gegenzulesen und zu korrigieren. Ich lerne immer noch dazu, auch wenn ich zum jetzigen Zeitpunkt, nur die Anforderung an die Zeit erfüllt habe. Aber wer weiß wie es einmal kommt, ein Chemie-Professor werde ich bestimmt nicht mehr. zwink


- Parat - 01.08.2011

Wabenschilderwels schrieb:Aber wer weiß wie es einmal kommt, ein Chemie-Professor werde ich bestimmt nicht mehr. zwink

Muss auch nicht sein. Immer dann wenn etwas kompliziert zu sein scheint, wenn jemand etwas kompliziert darstellt oder wenn einer auf die Moraltrommel hat, stimmt was nicht. Meistens werden nämlichen Unwissenheiten durch ein Übermaß an Vorsicht überdeckt. Für sich kann man das ja so machen, aber es anderen anzureden ist schlecht.

In Bezug auf die Wertigkeit der Chemie hat sich bisher in jedem Einzelfalle gezeigt, dass je weniger Aquaristik die Leute betreiben, desto mehr sie sich mit Randthemen wie Chemie befassen. Klar, die haben ja auch die Zeit und ihren Foren lässt sich damit prima auf dicke Hose machen.

Außerhalb des Internet läuft es allerdings anders. Da gibt es auch Leute die kaum ein eigenes Aquarium haben, aber die fahren in die Tropen und holen neue Fische und verteilen sie dann, dder sie beschäftigen sich mit der Systematik der Fische oder fotografieren sie intensiv. Du findest deswegen auch nur so wenig Literatur über Aquarienchemie, eben weil es keinen interessiert... weil sie so langweilig ist. Es sei denn man interessiert sich für biochemische Abläufe als solche, nur das hat dann nichts mit Aquaristik zu tun und man sollte tunlichst nicht Aquarianern etwas anquatschen.


- eumel6 - 02.08.2011

Hallo,
Zitat:In Bezug auf die Wertigkeit der Chemie hat sich bisher in jedem Einzelfalle gezeigt, dass je weniger Aquaristik die Leute betreiben, desto mehr sie sich mit Randthemen wie Chemie befassen. Klar, die haben ja auch die Zeit und ihren Foren lässt sich damit prima auf dicke Hose machen.
Und als Einzelfälle dafür gibst du dann Dr. Kassebeer und Dr. Hohl an.
Zitat:Du findest deswegen auch nur so wenig Literatur über Aquarienchemie, eben weil es keinen interessiert... weil sie so langweilig ist.
Aha, deshalb gibt es im Klassiker Aquarienkunde von Sterba kein Kapitel über Aquarienchemie.
Hm und Krauses Handbuch - wann wird das eingestampft mangels Langeweile der Leserschaft?


- eumel6 - 03.08.2011

Hallo,

Sogar hier werden Wasserqualität, Wasserparameter und ihre Überwachung angesprochen:
Europaratsempfehlungen für die Haltung von Fischen in Aquakultur

gruß jo


- Ferrika - 04.08.2011

Moin,

wollen wir mal feststellen, daß sich die Empfehlung des EU-Rates auf Aquakultur (also Massenhaltung zur "Erzeugung" von Fisch) bezieht und nicht auf Aquarien. Da liegen die Dinge dann wohl etwas anders.