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Erlenzäpfchen, Seemandelbaumblätter - Begründung des Mythos? - Druckversion

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- Berth - 08.09.2015

Hallo!
Die sogenannten äterischen Öle schützen die Pflanzen vor Erregern, diese Öle findet man in vielen Pflanzen z.B Japanisches Heilpflanzenöl (Pfefferminzöl).
Was ich fast lustig finde ist, die empfehlung von Mandelbaumblättern im AQ und häufige Wasserwechsel, das ist wie mit einem Teebeutel mehrere Tassentee aufgießen.

Grüße


- Duras - 08.09.2015

Hi,

Das ist genau das Problem. Hier werden zwei Methoden in einem Satz erwähnt. Man kann die keimdichte gering halten, wenn man viele und grosszügige Wasserwechsel macht. Ebenso soll das mit Seemandelbaumblättern funktionieren. Für mich machen beide Methoden Sinn, sind aber ebenso sinnlos. Ich erkläre es mal:

Grosse, häufige Wasserwechsel senken die Keimdichte. Aber für wie lang? Für ein paar Stunde oder sogar 1-2 Tage? Wie lange brauchen Keime, um ihre ursprüngliche Anzahl wieder zu erreichen? Ich mein, in einem Aquarium ist nur Platz für eine gewisse Anzahl an Keimen. Es gibt nur soviele, wie auch Nahrung vorhanden ist. Wer weiss, ob man mit einem Wasserwechsel nicht nur für wenige Stunden etwas positives erreicht?

Was die Huminsäuren angeht, so sagte ich ja bereits, dass man damit bestimmt einigen Bakterien und Keimen das Leben schwer macht. aber schafft das nicht Platz für Keime, die eben garkeine Probleme mit Huminsäuren haben?

Fakt ist, mit einem Wasserwechsel oder auch Seemandelbaumblätter schadet man eher nicht. Ob sie helfen ist eine andere Frage. Wenn bei meinen Fischen was nicht stimmt, ist der Wasserwechsel auch erstmal das erste, was ich mache. Aber allein aus dem Grund, dass damit giftige Stoffe im Aquarium verdünnt werden, sollte es daran liegen. Um die Keimdichte für kurze Zeit zu senken mag das auch ausreichen. Aber auf Dauer gibt es nur eine sichere Sache, wie unsere Fische vor Parasiten, Keimen, Krankheitserregern und bösartigen Bakterien beschützt werden: das Immunsystem der Fische. Ist das stark genug, haben Krankheiten auch weniger Chancen. Deshalb ist eine richtige Ernährung, passender Besatz und richtige Wasserparameter (vor allem die Temperatur) enorm wichtig. Wichtiger, wie Erlenzapfen und Co. Denn die verhindern garnichts, wenn der Fisch ein geschwächtes Immunsystem hat.

Neulich musste ich von jemanden lesen, dass Äste aus der Natur sogar die Weisspünktchenkrankheit verhindern können. Und das von jemandem, dem ich in der Aquaristik eigentlich mehr zugetraut hätte.

Gruss
Sascha


- KatiG - 08.09.2015

Hi,

naja, spezifische Hintergrundinfos kann ich da auch nicht wirklich bieten. Aber viell. ein bisschen was...

In diesem Artikel (Achtung, pdf-file: http://wydawnictwo.up.lublin.pl/acta/hortorum_cultus/2013/streszczenia2013_3/01%20Mushkina%20Gurina%20Hort%2012_3_%202013.pdf) wird unter anderem eine antioxidative Wirkung von Erlen-Extrakt beschrieben, welche auf die im Extrakt enthaltenen phenolischen Substanzen (u.a. Flavonoide) zurückzuführen ist.

In diesem Artikel (bzw. nur in dem Abtract: http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/14786419.2014.931390#abstract; leider komm ich nicht an den kompletten Artikel dran) wird zusätzlich eine antimikrobielle Wirkung von Erlen-Extrakt nachgewiesen.

Viele Grüße, Kati


- MariaErna - 08.09.2015

Lasst mich auf fränkisch resümieren:

Nix gwies wassmer net. lach


- Parat - 08.09.2015

Hallo,

Prestutnik12 schrieb:Es gibt Tage, da liest man es hier im Forum dreimal: "Gib Seemandelbaumblätter und/oder Erlenzäpfchen ins Becken, die wirken antibiotisch und antifungizid." (Vorsichtigere Autoren schränken etwas ein: "sie wirken milde antibiotisch". Wobei mir das einschränkende Attribut jetzt auch nicht mehr sagt...)

Ganz einfache Frage: Woher weiß man das? Kennt jemand eine auch nur halbwegs valide Untersuchung, die diese These untermauern könnte? Gibt es da was bekanntes?

Deine Frage ist schon berechtigt. Der Wirkungsbereich der Erlenzapfen nimmt alljählich zu, zumindest in den Foren.

Es ist aber schon was dran an denen.

Was sie nicht können ist zaubern und den pH in normalem Wasser senken.
Was sie wunderbar können ist das Wasser nett einfärben.

Sie enthalten Tannin, welche übrigens selbst farblos ist. Tannin ist ein Stoff der tatsächlich in die Mikrobiologie eingreift, aber auch böse wenn zu viel.


Zitat:Andersrum überlegt: Wenn sie wirklich halbwegs effektiv antibiotisch wirksam wären, würde ich Erlenzäpfchen/Blätter im Normalbetrieb ja eher nicht einsetzen. Denn ich will ja nicht, mir nichts - dir nichts, ein effizientes und aggressives Breitband-Antibiotikum im Becken haben. Denn das würde mir ja auch die Nitrobakter und Nitrosomonas abtöten - und ich müsste die Chose quasi wieder neu einfahren...

So schnell zerlegt es die Bioflora schon nicht. Da müsste man sehr große Mengen an Erlenzäpfchen einflüllen.
Und zur Beruhigung. Packe einfach mal eine handvoll Zäpfchen in einen Behälter mit Wasser. Es wird sich alsbald eine schleimige Schicht bilden .. alles muntere Bakterien.

Dennoch wirkt etwas Seemandelbau oder Erlenzäpfchensud schon stimulierend und hilf auch wenn die Eier sich nicht entwickeln wollen.

Aber der ganze Zauberkram der denen sonst angedichtet wird ist übertrieben. Das liegt wohl an dem Hauch von Öko, Bio, Alternativ, vegetarisch ... Da schaltet sich bei einigen Leuten das Hirn ab weil sowas muss ja gut sein und gegen alles helfen und überhaupt.

Wie Du schron richtig schreibst, der Sud macht eine nette Farbe und in bestimmten Situationen kann man das enthaltene Tannin auch nutzen. Zuviel ist nicht gut (geht ans Eiweiß und macht die Eihüllen hart)


- Prestutnik12 - 09.09.2015

HiHi zusammen

Wäre ja viel zu schreiben dazu. Will mal mit Katis Verweisen anfangen.

Beim ersten Paper, dem der weißrussisch-polnischen Mädels, stehe ich absolut hilflos da. Welche Bedeutung das antioxidante Wirken eines Extraktes hat, kriege zumindest ich nicht klar. Der Zusammenhang zwischen Antioxidantien im Stoffwechsel (des Menschen), Fänger freier Radikaler, und antibiotischen Wirkmechanismen erschließt sich mir nicht. Da müsste jemand Berufener ran, der mir die mögliche Relevanz aufzeigt. (Aber das liegt nicht in der Sache, sondern an mir, meinem Bildungsgrad. Spontan würde ich sagen, das zählt eher zum Themenkreis Vitamine etc... und würde damit eher auf das Argument der generellen Stärkung des Immunsystems hinauslaufen. )

Klar, beim zweiten Paper bin ich dabei. Der Abstract geht für mich in die richtige Richtung. Ein methanol-erzeugter Erlen-Extrakt ist in der Lage, in einer Petri-Schale bestimmte Radien bakterienfrei zu halten. Die Wirkung klappt bei zwei Pilz-Arten und bei einigen Gran-positiven als auch Gran-negativen Bakterien. Da findet sich doch ein Ansatz... Oder die Idee ... einer Ahnung ... eines Ansatzes... Immerhin können Erlenblatt- und Rinden-Extrakte unter Laborbedingungen antibiotisch/antifungizid funktionieren.

Natürlich werden jetzt gleich die Einwände kommen! Wo liegt bei der bioziden Wirkung eines Extraktes bei einem Maximum von 45 mm bei einem bestimmten Bakterium in einer Petri-Schale die aquaristische Relevanz? Wie sieht das bei entsprechender aquaristischer Verdünnung in meinem Meterbecken aus? Erst mal: Nicht zu beantworten.

Für uns Aquarianer könnte interessant sein: Beide Untersuchungen benutzen methonanol/äthanol-Extrakte von Erlen-Blättern und Rinde. Finde ich insofern erstaunlich, da wir in unseren Aquarien doch zumeist die Zapfen einsetzen!

Wäre ja vielleicht eine Anregung, mal mit Blätter-Extrakten zu arbeiten.

Sprung.

Ansonsten leuchtet mir Saschas These ein: Die Artenvielfalt der Bakterien mag bei niedrigeren Ph-Werten abnehmen. Was nicht zwangsläufig bedeutet, dass damit auch die Bakteriendichte sinkt. Es gibt eben nur weniger Diversivität. Was wäre also zu gewinnen?

Mal augenzwinkernd gesagt: Wir Aquarianer haben Glück, dass unsere geliebten Nitrobakter und Nitrosomonas in der Richtung wohl relativ tolerant sind.

Tschö, muss los,
Stefan


- Parat - 09.09.2015

Prestutnik12 schrieb:Ansonsten leuchtet mir Saschas These ein: Die Artenvielfalt der Bakterien mag bei niedrigeren Ph-Werten abnehmen. Was nicht zwangsläufig bedeutet, dass damit auch die Bakteriendichte sinkt. Es gibt eben nur weniger Diversivität. Was wäre also zu gewinnen?

Die Bakterienmenge / Aktivität nimmt ab.

Grunditz / Dalhammar
Development of Nitrification Inhibition Assays
using pure Cultures of Nitrosomonas and Nitrobacter
Departmement of Biotechnology,
Royal Institute of Technology,
Stockholm – Schweden
20.05.1999 / 17.04.2000


- Duras - 09.09.2015

Hi,

Danke dir. Da habe ich wohl was in den falschen Hals bekommen. Dachte bisher die Arten nehmen ab, nicht die Aktivität der Bakterien.

Gruss
Sascha


- Prestutnik12 - 09.09.2015

HiHi Parat, Sascha


Sei Euer beider Diskussionszweig, da will ich nur kurz, nach der Lektüre des Abstracts, bemerken: Das Grunditz / Dalhammar-Paper ist für Aquarianer sehr interessant, zeigt es doch, wie hoch eigentlich die Optimalwerte von Nitrobakter und Nitrosomona bei Ph- und Temperaturwert (um 38 Grad, ph um 8) liegen. Und dass die Aktivität bei sinkenden Werten - erstaunlicherweise linear - abnimmt.

Mehr sagt die Untersuchung nicht. Sie behandelt ausschließlich die Aktivität jener zwei Bakterien-Arten. Sie sagt nichts über die These der Arten-Diversivität und der Pupulationsdichte anderer Bakterien. Wenn unsere Nitrobakter bei 25 Grad und Ph 6,5 suboptimal laufen, dann sagt das nichts darüber aus, dass diese Werte nicht für andere Bakterien / Pilze das Optimum für ihren Stoffwechsel und ihre Zellteilungsrate darstellen können. Was mir persönlich angesichts der enormen Fülle von Bakterienarten klar plausibel erscheint.

Wie geht der alte Spruch der verknöcherten Metholologen? "Sascha, Deine These steht weiterhin offensiv im Raum."

Grüße,
Stefan