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Wasserwerte messen ? - Druckversion +- Aquarium Stammtisch - Das Aquaristikforum für alle Aquarianer (https://aquarium-stammtisch.de) +-- Forum: Süsswasser (https://aquarium-stammtisch.de/forumdisplay.php?fid=3) +--- Forum: Chemie (https://aquarium-stammtisch.de/forumdisplay.php?fid=10) +--- Thema: Wasserwerte messen ? (/showthread.php?tid=213) Seiten:
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Wasserwerte messen ? - Anton_Gabriel - 24.02.2016 Wasserwerte messen eine Zusammenfassung meiner Erfahrungen Einleitung: Als Schüler mit 12 Jahren bekam ich mein erstes Aquarium – ein 25 Liter Rahmenaquarium mit Glühlampenbeleuchtung. Damals gab es noch kaum Informationen zu Wasserwerten im Aquarium. Literatur war teuer und Internet noch nicht erfunden. Aus den wenigen Infos wuchs ein Forscherdrang, um die Zusammenhänge zu verstehen und aus den wenigen Geldmitteln als Schüler das Bestreben für günstige Wege zur Messung der Wasserwerte. Heute sind die Informationen unüberschaubar und vielfältig. Zu einer Frage kann man 100 Antworten oder mehr finden. Hier die Zusammenhänge verstehen zu lernen, um unseren Pfleglingen möglichst optimale Bedingungen zu bieten, ist viel schwerer als früher, wo es fast nichts an Informationen gab. Ich bin der Ansicht, dass jeder Aquarianer einen Teil seiner Erfahrungen durch Informationen beziehen kann. Aber umfassende Erfahrung kann man nur selber sammeln – selber erleben und die vielen „Aha-Effekte“ selber kennenlernen. Der Aufsatz hier soll nur ein Hilfsmittel dazu darstellen. Somit ist das der Versuch eine Anregung zu geben die Welt des Wassers unsere Pfleglinge besser verstehen zu lernen. Warum Wasserwerte messen? Wenn wir erfahrene Aquarianer fragen, dann kann man sehr oft etwa die Aussage bekommen: „Ich messe fast gar nichts (mehr) - die Fische und Pflanzen zeigen schon, wenn was nicht passt“. Darin steckt meiner Meinung nach gleich einige Infos: "gar nichts (mehr)": Jeder Aquarianer hat einmal mehr oder weniger intensiv gemessen, um die Bedingungen und Besonderheiten seines Aquariums kennenzulernen - ist er einmal erfahren genug, weil immer wieder dieselben Wasserverhältnisse und Aquariumverhältnisse vorliegen, dann ist das richtig: man braucht kaum mehr messen, wenn man nicht züchtet oder besonders an Düngung oder sonstigen besonderen Wasserzusammensetzungen interessiert ist. Heute kann ich selber in manchen meiner Aquarien einzelne Wasserwerte besser schätzen als mit Tropftests messen. Das erfordert allerdings gleichartige Bedingungen im Aquarium und selber hab ich halt schon über 45 Jahre Erfahrung und Interesse. Erst mein Fotometer brachte wieder neue Möglichkeiten, z.B. gezielte Düngung nach Messung um Veränderungen schon nach Stunden zu erfassen. "Die Fische und Pflanzen zeigen schon, wenn was nicht passt.": Hier bin ich der Meinung, dass kein Fisch zeigen soll, dass etwas im Wasser nicht passt - denn dann leidet der Fisch schon. Wir sollten durch periodische Messungen oder gezielte Messungen und Maßnahmen verhindern, dass je ein Fisch zu Schaden kommt. Und erst den Pflanzenbestand massiv zu schädigen, um dann Gegenmaßnahmen einzuleiten, kann auch ganz schön teuer werden. Warum ist es noch wichtig, selber Wasserwerte zu messen und Erfahrungen zu gewinnen? Bei einer Frage zu Wasserwerten kann man leicht 20 verschiedene Antworten bekommen - Beratung heute (insbesondere über das Internet) ist eine schwierige Sache - zu viele verschiedene Erfahrungen und Meinungen verunsichern mehr als sie helfen. Was bei einem im Aquarium funktioniert (oder nicht), kann im eigenen Aquarium ganz anders sein. Somit ist der beginnende Aquarianer gut beraten, sich grundlegende Informationen anzueignen - aber die konkrete Erfahrung wird jeder Aquarianer nur selber praktisch an seinen Aquarien bekommen, auch die Wasserwerte und deren Zusammenhänge. Erst praktisch gemessen und die Entwicklung verfolgt und die Schwankungen und deren Gründe erlebt zu haben, macht sicherer und fördert die Erfahrung. Welche Wasserwerte wann und wie : Streifentests/Tropftest: Die größte Ungenauigkeit bei der Messung mit Tropftests oder Streifentests verursacht unser Auge! Wir sind bei einer Farbe oft nur in der Lage Unterschiede von 200 Prozent oder mehr zu unterscheiden (das ist die 2- oder 3-fache Farbintensität). Deswegen sind fast alle Tests 1-3-10 abgestuft (jeweils das 3-fache), weil das fast jeder unterscheiden kann. Diese Tests sind nicht alle so ungenau, wie ihr Ruf es vermittelt, und in manchen Fällen reichen auch "ungenaue" Streifentests. Recht genau sind die pH-Messstreifen von Merck (und anderen Anbietern), welche 3 oder 4 Farbfelder haben und so eine Ablesegenauigkeit von 0,2 pH-Stufen ermöglichen. Problem dabei: genaue Farbunterscheidung erforderlich. Die pH-Messung als Teststreifen mit nur einem Farbfeld ist so gut wie immer zu ungenau für den Aquarieneinsatz. Der pH-Wert kann zu niedrig und zu hoch für die Fische gefährlich werden - somit rate ich hier mindestens zu verlässlichen Tropftest. Nitrat als Streifentest ist zwar meist nicht sehr genau - da aber Nitrat im "schlechtesten" Fall Algen fördert, aber Fischen kaum gefährdet, reichen auch Nitratteststreifen. Wobei man beurteilen mag, ob solche Streifen denn überhaupt billiger kommen. Heute kann ein hoher Nitratwert doch wieder etwas gefährlich werden, weil oft kaum das Wasser bewegt wird, um „CO2 nicht auszutreiben“ (was bei etwas Wasserbewegung und etwas Durchlüftung sowieso nicht erfolgt. CO2 ist leicht einbringbar – aber nur sehr langsam und schwer austreibbar). Recht geringe Wasserbewegung kann nun im Aquarium zu einer unkontrollierbaren Denitrifikation (durch Entzug von Sauerstoff erfolgten teilweisen Umsetzung von Nitrat zu Nitrit) kommen. Dadurch können gefährlich hohe Nitritwerte auftreten. Nitrit ist immens giftig für unsere Fische und Teststreifen können durch ungeeignete Lagerung (auch Überlagerung) sehr rasch falsch oder gar nicht anzeigen. Nitrit kann in Stunden unseren ganzen Fischbestand eliminieren. Somit empfehle ich für Nitrit Tropftests. Ammonium/Ammoniak ist wieder je nach pH-Wert ein gefährliches Fischgift und sollte insbesondere in der Einlaufphase eines Aquariums mit verlässlichen Tropftests gemessen werden. Für Phosphat gibt es glaube ich sowieso nur Tropftest - auch ist Phosphat ja an sich für die Fische nicht gefährlich. Gefährlich kann zu viel Eisen werden – bei über 2 Milligramm pro Liter kann unter ungünstigen Bedingungen Eisen in den Kiemen der Fische ausfallen und diese schädigen. Bei Düngung ist die Messung von Eisen sehr wichtig, denn schon bei weit geringeren Mengen an Eisen werden insbesondere Bartalgen und Büschelalgen massiv gefördert. Auch Eisen gibt es als Tropftest (mit sehr unterschiedlicher Qualität). Wenn wir schon bei Düngern sind: der gefährlichste aller Dünger ist CO2! Wenn man schon CO2 einsetzt, dann unbedingt einen Tropftest für CO2 besorgen - ein Zuviel an CO2 kann unseren gesamten Fischbestand töten - und das geschieht meist mitten in der Nacht, wo auch Pflanzen kein CO2 aufnehmen - also einmal den CO2-Verlauf seines Aquariums bestimmen. Die Berechnung von CO2 nach pH und KH durch häufig zu findende Formeln ist vollkommen ungeeignet, weil das viel zu ungenau ist! Errechnete 5mg/l können auch 60mg/l sein. Gleich "gefährlich" ist heute der Sauerstoffgehalt geworden - durch die Annahme, dass etwas Wasserbewegung zu viel CO2 austreibt (was nicht stimmt, weil CO2 viel schwerer aus dem Wasser zu bekommen ist als Sauerstoff, aber schon durch geringe Wasserbewegung ins Wasser kommt) haben wir heute in Aquarien recht oft Sauerstoffmangel! Zusammen mit zu viel CO2 in der Nacht gibt es kaum ein Aquarium mehr, wo die Fische in der Nacht ideal versorgt sind. 6 bis 7 Milligramm pro Liter Sauerstoff könnten an sich immer im Aquarium sein - tatsächlich sind es oft sehr viel weniger - den Sauerstoffgehalt mit einem (verlässlichen) Tropftest einmal im Tagesverlauf messen und wenn er unter 5 Milligramm sinkt: Gegenmaßnahmen durchführen (Wasserbewegung/Durchlüftung). Sauerstoffmessung erfolgt mit Tropftests. Eigentlich hätten zu Beginn Gesamthärte und Karbonathärte stehen sollen. Haben wir Wasser und Fische, die härteres Wasser bevorzugen, dann kommen wir mit Teststäbchen recht gut über die Runden - auch wenn diese Teststäbchen zuweilen 100 Prozent Fehler und mehr anzeigen, macht das bei hohen Härten kaum was aus. Anders sieht es aus, wenn die KH gering ist, und diese im Zusammenarbeiten mit dem pH auch recht rasch lebensbedrohliche Situationen im Aquarium schafft (Karbonathärte sinkt ständig etwas im mit Fischen besetzten Aquarium). Hier ist ein verlässlicher Tropftest für Karbonathärte (und pH) unerlässlich, und periodische Messungen überwachen die Grenzwerte. Nochmal zu Düngern und mit Pflanzen zusammenhängenden Wasserwerte: Häufigster Verursacher für Büschelalgen ist Eisen - für Grünalgenplagen ist aber fast nie Phosphat oder Nitrat, sondern Kalium verantwortlich! Früher oft zu wenig wird heute oft überdngt - und meist mangels Messmöglichkeit eben der Ersatzschuldige Phosphat oder Nitrat gesucht. Kaliummessung mit Tropftest ist möglich und insbesondere für Pflanzenaquarianer und bei Algen eine große Hilfe. Chlorid ist ein weniger beachteter Wasserwert, welcher einerseits ständig dem Aquarium zugeführt wird (Fütterung, insbesondere durch Trockenfutter) und sich mangels Messung oft anhäuft. Bei über 100 mg/l werden schon manche Pflanzen geschädigt und auch die Fische beeinflusst. Manche Fische mögen kaum Chlorid und viele Fische reagieren durch Schleimabsonderung der Haut - was bei Heilbehandlungen sinnvoll erscheinen mag. Ständig viel Chlorid (außer Brackwasserfische) kommt aber einer ständigen Reizung des Fisches gleich. Der Chloridwert ist auch ein guter „Altwasserindikator“ – besser als Nitrat. Bei einem gut bepflanzten Aquarium wird Nitrat rasch verbraucht – Chlorid häuft sich aber deutlicher an, da es nicht so stark von Pflanzen aufgenommen wird. In meinem Aquarium kann ich den Anstieg gut verfolgen. Auch bei Senkung der KH durch verdünnte Salzsäure entsteht viel Chlorid, ebenso wenn wir Wurzeln ins Aquarium geben wollen. Diese sind die oft mit Kochsalz konserviert und müssen gewässert werden, bis kaum mehr Chlorid nachweisbar ist. Nach Kochsalzbädern wird man sich wundern, wie lange man Wasser wechseln muss, bis Chlorid halbwegs geringe Werte hat. - Insofern ist Chlorid nicht sehr gefährlich - aber immer wieder einmal interessant zu wissen, wie hoch es ist. Einen Chloridtest gibt es als Tropftest. Für Neueinrichtungen sind folgende Tropftests noch interessant bzw. um sein Leitungswasser einmal kennenzulernen: Kupfer (giftig) und Kieselsäure (wegen Braunalgenplagen). Andere Messmethoden: Einige Wasserwerte kann man auch oder nur elektronisch messen. Dazu gehört die Leitfähigkeit („Leitwert“), welcher eine Gesamtbeurteilung des Wassers in Bezug auf Mineralgehalt zulässt. Der pH-Wert elektrisch gemessen kann genauer sein - der Aufwand dafür ist nicht gering (billige Geräte sind kaum genauer als Tropftests, teure mssen öfter kalibriert werden und zuweilen die Elektrode getauscht werden - bei weichem Wasser versagen einfachere Geräte) Weiters der Redoxwert, welcher eine Gesamtbeurteilung des Aquariumwassers insbesondere in Bezug auf Abfälle und Filterleistung und gefährliche mögliche Sauerstoffreduktion zulässt. Dieser Wert ist im Süßwasser nur schwer zu messen - es gibt aber auch eine chemische Messmöglichkeit mit Indikatoren. Ammonium, Nitrat, Chlorid und einige andere Stoffe können elektrisch mittels ionensensitiver Elektroden gemessen werden - der Preis solcher Geräte ist für die Anwendung für Hobby-Aquarianer zu hoch. Ich hatte so ein Gerät einmal zum Test. Es ist toll, aber eben teuer (kostete damals über 250 Euro pro Wasserwert). Zuweilen gibt es auch einfache Fotometer, welche Tropftests für einen einzigen Wert verarbeiten und anzeigen - sind aber dafür, dass nur ein einziger Wert gemessen werden kann, nicht gerade billig. Multifotometer für verschiedenste Wasserwerte sind meist immens teuer. Auf meiner privaten Homepage http://www.anton-gabriel.at wird aber auch der Bau eines Multifotometer beschrieben, welches sehr viele Wassertropftests messen kann und recht günstig selber herstellbar ist. Fast alle Tropftest können mit diesem Multifotometer gemessen werden und man bekommt eine 3 bis 20 mal höhere Genauigkeit und Nachweisgrenze der Tests. Außerdem muss man keine Farben mehr vergleichen, und es ist keine Kalibrierung nötig (außer beim ersten Mal messen). Die Kalibrierung ist sicher eine Hemmschwelle für den Privatanwender - sie ist aufwändig und relativ teuer. Es gibt aber auch schon ein sehr günstiges Multifotometer samt allen Tests fertig kalibriert und sofort messbereit zu kaufen. Auf so ein Multifotometer fertig kalibrierte Tests beinhalten u.a.: pH-Wert, Kalium, Chlorid, Eisen, Phosphat, Ammoniak, Nitrit und Nitrat sowie Sauerstoff usw. Warum so genau messen – Beispiele: Man kann auch auf 5 Prozent und genauer messen! · Überdüngung oder mangelnde Düngerstoffe können schon Stunden nach der Düngung gemessen werden und man kann gegensteuern (Wasserwechsel oder Zusatzdüngung). Mit Tropftests kann man Veränderungen oft erst nach Wochen unterscheiden, weil z.B. der Anstieg von 10 auf 30 mg/l Nitrat 2 Wochen dauern kann. Erst dann ist es auf der Farbtafel von Tropftests die Farbe unterscheidbar. Im Fotometer misst man auch Unterschiede von 0,5 mg/l Nitrat nach Stunden oder am nächsten Tag. · Nitritanstieg beim Einfahren oder durch einen toten Fisch kann man genau schon messen, lange bevor der Wert gefährlich wird. · Kalium als Dünger ist genau messbar und eine Grünalgenplage abwendbar. · Chlorid zeigt rechtzeitig ein Altern des Aquariumwassers an – besser als Nitrat. · Eisen kann in Spuren gemessen werden und für die Pflanzen verfügbar dosiert werden, ohne massiv zu überdngen (was wieder Bartalgen fördert oder sogar Fischkiemen angreifen kann) Alle Veränderungen dieser Werte misst man also genau schon sehr rasch Stunden bevor noch Unheil angerichtet wird. Schluss: Jeder Aquarianer tut gut daran, sich wenigstens zu Beginn mit Wasserwerten und deren Zusammenhängen zu beschäftigen und Erfahrung zu gewinnen. Manche Werte erscheinen wichtiger, weil gefährlicher, manche Werte wieder interessieren nur Pflanzenaquarianer. Zu tun haben wir mit Wasser und seinen Werten solange wir Aquarianer sind - mit Erfahrung vielleicht etwas weniger - bei auftretenden Problemen wieder etwas mehr. Wer erfahren sein will, wird es eben durch "erfahren" - das geht nicht alles durch Bücher oder Beiträge wie dieser Beitrag - das geht nur praktisch mit seinem Aquarium - und ein Teilgebiet im Aquariumalltag ist eben Aquariumchemie. Eine kleine Anleitung und Anregung dazu sollen diese Seiten vermitteln. Schöne Grüße und viel Erfolg Anton Gabriel - Prestutnik12 - 24.02.2016 Servus Anton Zuerst: schöner, ausführlicher nächtlicher Artikel! Jetzt ein bis zwei ketzerische Bemerkungen: Messen hilft erstmal nichts! Denn zum Messen müssen zwei wichtige Ebenen dazu: die Interpretation der Messwerte und - am allerwichtigsten - das Wissen, wie ein gemessener Parameter in der aquaristischen Praxis auch verändert werden kann! Lass es mich mal ironisch sagen: Hier beißt sich die Katz' in den Schwanz. Erfahrene Aquarianer - die im Laufe ihres aquaristischen Lebens tiefer in die Wasserchemie eingetaucht sind - messen in der Praxis immer seltener. (Genau den Thread hatten wir ja schon, findet ihn jemand? Muss auf der Höhe September 2013 gewesen sein... Ich war erfolglos im Finden.) Und die Newbies, die noch engagiert farbige Reagenzien mit Wasser schütteln und zig Parameter messen, die stehen ihren Messwerten oftmals sehr hilflos gegenüber. Das demonstrieren uns doch die gefühlten 300 Anfragen in der Sektion Chemie hier, die alle panisch damit beginnen: "Hilfe, mein Ph-, KH -, Nitrat-, xxx-Wert ist zu hoch / zu niedrig! Ich weiß nicht warum, bin verzweifelt, was kann ich tun?" Will sagen: Diejenigen, die mit Messerwerten was anfangen können, die messen nicht. Und die, die messen, stehen den Werten hilflos gegenüber. Die immanente Tragik des Aquarianertums! lächelt Stefan
- Roland - 24.02.2016 Hallo, erst einmal vielen Dank für den wirklich ausführlichen Bericht Anton! Das liest sich alles recht leicht und verständlich. Stefan hat schon Recht. Ich z.B. messe nur noch hin und wieder die Wasserwerte... und wenn, dann auch erst dann wenn es bereits zu einem Problem gekommen ist. Einfach nur so, um meine Vermutung zu bestätigen. Derzeit habe ich es plötzlich mit einer Pinselalgenphase zu tun. Ich hatte die Beleuchtung hoch gefahren und deswegen mehr gedüngt. Ich vermute mal dass es einfach viel zu viel Eisendünger war. Aber das lässt sich ja wieder korrigieren. Ich bin auch der Meinung, dass man sich zu Anfang mit der Wasserchemie etwas vertraut machen sollte. Einfach um zu verstehen was da im Aquarium gerade passiert, wenn plötzlich ein Problem auftaucht. Und um dann eben gegensteuern zu können. Die Wasserwerte gehören zu den Grundsäulen der Aquaristik und deshalb sollte man sie verstehen. Gruß Roland - Duras - 24.02.2016 Hi, Also gerade am Anfang der Aquaristik habe ich wirklich rein garnichts gemessen. Die Tests waren als Schüler einfach zu teuer. Ich kannte zwar das System, da mein Vater das bei seinen Wildfang-Diskus eingesetzt hatte, empfand es aber für meine kleine Aquaristik irgendwie unnötig. So richtig reingekniet habe ich mich eigentlich erst, als ich mit Schwarzwasser angefangen bin. Aber da bin ich im Moment auch bei einem Punkt, wo ich GH und KH z.B. garnicht mehr messe (sind irgendwie immer bei 1) und der PH einmal in der Woche überprüft wird. Manchmal aber auch mal 2 Wochen nicht. Irgendwie bekommt man mit der Zeit den Bogen heraus, wie man was anmischen muss, um die passenden Werte zu erreichen. Auf der anderen Seite denke ich mir, was bringt es, wenn ich als Anfänger den PH, die GH und die KH kenne, aber an den Werten sowieso nichts ändern kann, weil sie so aus der Leitung kommen? Man könnte jetzt zwar dazu raten, dass die Leute ihre Wasserwerte einstellen, aber ich denke, hier wäre es einfacher auf gewisse Fischarten zu verzichten. Die Fischarten, bei denen man ein besonderes Augenmerk auf die Wasserwerte haben sollte, sind eigentlich auch nichts für Anfänger. Gruss Sascha - Casa Carota - 25.02.2016 Hallo Anton, DANKE für diesen interessanten Beitrag Ich habe Teststäbchen im Schrank gehabt, ein paar Wassertests mit gebrauchten Aquarien ergattert und im Mergus Aquarienatlas immer wieder gelesen und versucht, die Aquarienchemie zu begreifen und zu verstehen. Das waren für mich jedoch immer böhmische Dörfer und das ist die Chemie - nicht nur im Wasser - auch heute noch. Die Ergebnisse der Tests haben mich nicht wirklich weitergebracht, weil ich die Zusammenhänge gar nicht kapiere. Als mein Händler mir vor vieeelen Jahren eine CO[SUB]2[/SUB]-Anlage aufschwatzte, änderte sich plötzlich der PH-Wert... Davon hatte er kein Wort erwähnt und ich stand ratlos da, den Fischen ging es schlecht, trotz des tollen Pflanzenwachstums. Ich habe dann auf seinen Rat hin weitere teure Produkte gekauft, ins Wasser gegeben, aber so richtig gefallen hat es weder den Fischen noch mir. Meine Fische habe ich mir später passend zu unseren Göttinger Wasserwerten ausgesucht. Ich habe gelernt, auch darauf zu achten, was sie fressen wollen und seitdem lief es hier "rund". Die Aquaristik wurde dadurch leichter, eben viel weniger aufwändig. Ich habe meine Tiere beobachtet und merkte, wenn etwas nicht stimmt. schnell an ihrem Verhalten. Da habe ich mit Filterreinigung oder Wasserwechseln reagiert und meist war dann schon wieder alles im grünen Bereich. Krankheiten hatte ich seitdem nur sehr selten, Medikamente habe ich kaum geben müssen und die Fische lebten größtenteils sehr lange bei mir. Das einzige, was wir ständig gemessen haben, war der Leitwert unseres kleinen Meerwasser-Aquariums. Natürlich sollte ein Anfänger versuchen, in die Materie Aquarienchemie einzusteigen. Aber wer das ebensowenig begreift wie ich, sollte sich für Tiere entscheiden, die sich in seinem Leitungswasser wohlfühlen. Und bei Fragen oder Problemen natürlich ein adäquates Forum befragen Tiere (und Pflanzen) halten zu wollen, für die das Wasser aufbereitet werden muss, sollte man eben erst versuchen, wenn man schon die dafür ausreichende Erfahrung in der Aquaristik besitzt. - lonesome - 25.02.2016 Hallo Anton, schöner Artikel, auch wenn ich nicht überall bei Dir bin ;) Dennoch gut gemacht, ein schöner erster Leitfaden. Du bist mir, wenn ich das so sagen darf, etwas zu "Teststreifennahe". Wenn man heute über Teststreifen spricht, dann geht es zumeist um die Ratestäbchen aus dem Fachhandel. Für erste Tendenzen, zum Reinschnuppern, als "give away" oder als Erbstück aus einer Beckenauflösung kommen die meisten zum ersten mal damit in Kontakt. Vielleicht mal einen ersten Hinweis zum Ratestäbchen: Zum Ratestäbchen gehört irgendwas, von wo ein einzelner Tropfen auf diese meist Mehrfachmessungen auf die Einzelfelder abgesetzt werden kann. Sprich: Nicht einfach den Teststreifen eintauchen, sondern zB mit einer Pipette die einzelnen Felder einzeln mit je einem Tropfen beträufeln. Die Ergebnisse werden schon besser, aber nicht gut. Aber man bekommt schon bessere Tendenzen. Zumeist ist die Neugier dann geweckt. Es soll genauer werden und die "langweilige Chemie" wird schon etwas spannender ;) Tropfentests sollten dann zeitnahe folgen und die Sinnhaftigkeit zum "mehr ausgeben" wird deutlicher. Persönlich finde ich es immer einfacher, einzelne Themengebiete miteinander zu verknüpfen. Die Stickstoffkette als Beispiel kann man recht einfach in einem Rutsch, aber verständlich erklären, so das auch Leute, die einfach keine Lust auch Chemie haben sie einmal durchquälen und dann aber wissen worum es geht. Kurz: Ammonion wird (aufoxidiert) zu Ammoniak, Ammoniak wird zu Nitrit (Atemgifte), Nitrit wird zu Nitrat. Der Eintrag erfolgt in der Regel durch Futter. Nitrat ist erstmal ungegfährlich und ein Teil (neben z.B. Kalium) von Dünger, läuft auf und sammelt sich an, sofern nicht von Pflanzen verbraucht. Fertig. (> Hinweis warum Wasserwechsel nötig) Nächster Schritt wäre nun das Redoxpotential neben der Erklärung was ist aerob und anaerob. Auch das geht Flott: Das Redoxpotential zeigt an, wie hoch oder auch niedrig im System die Oxidationsfähigkeit ist (wir erinnern uns: Die Stickstoffkette von Ammonion bis hin zu Nitrat). Es beschreibt die Reserve, die ein Aquarium hat um "vernünftig zu laufen" um die Stickstoffkette bei der Aufoxidation zur nächsten Stufe am Laufen zu halten. Das wäre die aerobe Kette. Aerob: Luft (Sauerstoff) wird benötigt. Fehlt anaerob. Das Endprodukt Nitrat müsste noch zerlegt werden. Hier benötigt man Bakterien, die mit Hilfe einer Kohlestoffquelle (zB Alkohol > einwertiger Zucker) in einem Luftarmen Raum (beginnt im feinen Bodengrund ab ca 1 cm) das Nitrat wieder zerlegen. In einem Nitratfilter wäre das Milieu O2 - arm, der Redoxwert wäre im Negativen, Nitrat wird "veratmet" und entweicht als Gas. Mehr braucht kein Mensch zu wissen. Ab jetzt kann man das mit Formeln auskleiden, in die Tiefe gehen, etc... Aber erstmal weiß man, was gemeint ist (hoffe ich), und wir haben schon einen Wert mit drin, an den sich sonst kaum einer traut. ;) - Duras - 25.02.2016 Hi, Ich hatte mir mal Teststreifen für den PH-Wert geholt. Diese waren genauso gut, wie Tröpfchentests. Das einzige Problem: Unter PH 6 waren sie total ungenau, soll heissen, sie haben unter PH 6 nichts mehr angezeigt, obwohl es laut Verpackung bis runter auf 4 gehen sollte. Aber das mag durchaus auch an den Huminsäuren, bzw. das dunkle Wasser gelegen haben. Da soll es ja auch bei den Tröpfchentests nicht mehr so 100% genau werden. Aber für die Aquaristik ist das durchaus noch zu gebrauchen. Ich brauch keine Messung, die mir jeden 0,2 Schritt anzeigt. Edit: lonesome schrieb:.......... Was genau meinst du, was sich ansammelt und warum ein Wasserwechsel notwendig ist? Nitrat? Laut Gerd Kassebeer pendelt sich auch Nitrat irgendwo ein und steigt auch bei Altwasserbecken nicht ins Unendliche. Ich glaube eines seiner Altwasserbecken hatte einen Nitrat von 100mg/l und blieb da konstant. Nicht falsch verstehen. Altwasserbecken sind was besonderes. Dennoch ist für mich Wasserwechsel etwas, was man unbedingt selber ausmachen muss und eigene Erfahrungen sammeln muss. Ich z.B. mache kaum Wasserwechsel und wenn, dann eher wenig (alle 3-4 Monate ca. 20-30%). Zumindest bei dem Becken, welches mit Leitungswasser läuft. Bei denen, die ich mit Torfwasser und destilliertem Wasser betreibe, mache ich grössere Wasserwechsel, sobald der PH einen bestimmten Punkt überschreitet. Bei mir steigt der PH leider irgendwann an, was aber durchaus dadran liegen kann, dass ich einen Teil Leitungswasser zumische. Gruss Sascha - Prestutnik12 - 25.02.2016 lonesome schrieb:Kurz: Ammonion wird (aufoxidiert) zu Ammoniak, Ammoniak wird zu Nitrit (Atemgifte), Nitrit wird zu Nitrat. HEYA, die klugen Erklärer Helfen soche Erklärungen eigentlich was? Nee. Formeln sind ein verkürzter Ausdruck spezieller Fachsprachen, sei es in der Chemie, der Mathematik oder - in meiner Disziplin - der Logik. Und ob ich das jetzt formal oder in explizit ausgesprochener Sprache darstelle - ist gehüpft wie gesprungen! p => q <=> ~q => ~p Auch wenn wir es verbal ausformulieren: p impliziert material q ist äquivalent zu non-q imliziert non-p. Hilft Euch das Zweite was? Mal ehrlich: So oder so hilft es nicht! Das Einzige, das hilft ist, die Formeln in konkrete Handlungsanweisungen zu übersetzen. Aquaristisch konkret: Niemand muss etwas über Nitrite und Nitrate wissen, über Ammonium oder Ammoniak, über Nitrobakter oder Nitrosomonas. Cum grano salis gesprochen: Es genügt vollkommen, einem aquaristischen Newbie eine konkrete Handlungsregel zu geben: "Baue Dein Becken auf, schmeiß ein paar Krümel Trockenfutter rein - und lasse es vier, fünf Wochen stehen." Da muss niemand wissen, wie die Nitrifizierung abläuft, was ein Nitrit-Peak ist. Es genügt vollkommen, den Peak in der Praxis zu vermeiden. Eine klare operationale Handlungsanweisung regelt das. So geht man mit Fachsprachen und Terminologien effektiv um. Alles Andere und Tiefere ist Hobby interessehalber. Kann man, muss man aber nicht. Man MUSS sich das Leben nicht schwer machen. My 5 Cents, Stefan P.S. Der Editor hier kann die logischen Zeichen noch nicht mal darstellen! Roland, das wäre aber zu ändern! Ein bisserl Logik sollte auch hier schon zu finden sein... - Tursiops - 25.02.2016 Moin Ich mach nur noch alle sechs Monate einen Nitrattest um zu sehen ob der Vodkafilter noch tut, wenn ja alles in Ordnung wenn nein etwas mehr Vodka rein. Alle anderen Werte interessieren nicht, mal von der Temperatur in recht weiten Grenzen abgesehen. Ph Elektrode ist schon lange eingetrocknet - macht nix. Ansonsten wird nichts gemessen. Alfred - lonesome - 25.02.2016 Zitat:Was genau meinst du, was sich ansammelt und warum ein Wasserwechsel notwendig ist? Nitrat? Laut Gerd Kassebeer pendelt sich auch Nitrat irgendwo ein und steigt auch bei Altwasserbecken nicht ins Unendliche. Ich glaube eines seiner Altwasserbecken hatte einen Nitrat von 100mg/l und blieb da konstant. Na du beschreibst ja schon eine Regelmäßigkeit. Aus Kundenkontakten kann ich Dir sagen, das da durchaus mehr geht. Werte im Nitrat bis zu 300 mg/l sind und waren da nicht selten. Bei deinen becken gehe ich mal davon aus, dass sie dicht bepflanzt sind, du das Altwasser wegen deiner Tiere auch mit etwas Absicht betreibst. und: du wirst kaum überbesetzten, oder? In Becken wo mehr Futter zugegeben werden muss weil auch die Fische größer werden und weniger Blümchen sind wäre i h gespannt, ob die These zu halten ist. @ Stefan kurz und prägnant alle Begriffe in der Reihe, die Angst ist genommen, und auch hier kann ich dir aus kundenkontakten sagen: klappt nicht. Die Fische schwimmen früher. Dann lieber erklären warum sie nicht schwimmen sollen, man hat vor den Tieren was zu tun mit den Messungen und man nutzt die Phase der Euphorie. Klappt zwar auch nicht immer, aber immer häufiger. |